LTE-Lizenzen in Luxemburg verteilt

In Luxemburg ist der Weg für den neuen Mobilfunkstandard LTE (Long-Term-Evolution) frei. Die europäische Kommission hat die Nutzung der Frequenzen 900 und 1 800 MHz auch für LTE erlaubt, was de facto auch den Luxemburger Anbietern ermöglicht, ihr System hierzulande anzubieten.

LTE erlaubt einen Datendownload von bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Die Telekom-Unternehmen P&T, Tango und Orange sagen sich schon seit längerem bereit und haben das System extensiv getestet. Nun müssen die Produkte folgen, denn es gibt bis jetzt kaum Mobiltelefone, die dieses System ausnutzen.

Die Anbieter haben bis jetzt mit Testlizenzen das neue System ausprobiert, aber seit gestern können sie offiziell die LTE-Technologie nutzen, sagt Pierre Goerens vom Kommunikationsministerium. Die 900- und 1 800 MHz-Frequenzen durften ursprünglich nur für das GSM-System benutzt werden, aber das „Institut luxembourgeois de régulation“ (ILR) hat den Frequenzplan aktualisiert.

Geld in Netze investiert

Die 2G-Lizenzen der Post und von Tango sind dieses Jahr abgelaufen, und bei der erneuten Verlängerung wurde automatisch auch die Nutzung der vierten Generation integriert. Im Endeffekt wurde außerdem die Lizenz von Orange an die beiden anderen angepasst. Die Frequenzen werden hierzulande nicht über Versteigerung vergeben. Kommunikationsminister François Biltgen sieht das Geld lieber in gute Netze investiert.

In Luxemburg erfolgt die Nutzung der Frequenzen deshalb nach einem Pro-Rata-System: Je mehr Bandbreite die Anbieter brauchen, desto mehr müssen sie zahlen. Auch die Luxemburger Post sagte sich schon bei ihrer letzten Bilanzkonferenz vor wenigen Wochen bereit für die neue Generation. Aber wann die ersten Dienste angeboten werden, war damals noch nicht klar.

In Luxemburg hat zuerst Orange LTE in der Hauptstadt und im Süden des Landes eingeführt. Tango sagt sich ebenfalls bereit für die neue Technologie, hatte der Konzern in einer Mitteilung betont. Mit der Erneuerung der 2G-Lizenz über eine Laufzeit von 15 Jahren, kann der Anbieter ebenfalls die LTE-Technologie anbieten. Ferner kündigte er die bevorstehende Entfaltung seines 4G-Netzes im gesamten luxemburgischen Gebiet an.

Erste Tests im Sommer

Bisher deckt das 4G-Netz von Tango die Stadt Luxemburg ab. Die Netzabdeckung wird schnell ausgeweitet werden, und die ersten Kunden sollen noch im Sommer via USB-Stick die Leistung des 4G-Netzes auf ihrem Laptop testen können. Es gibt dennoch nicht viele Mobiltelefone, die LTE anbieten. Das prominenteste, das iPad 3, ist jedenfalls nur in den USA LTE-kompatibel. Dort nutzen sie andere Frequenzen. Ob das nächste iPhone mit dem europäischen 900- oder 1 800 MHz-Standard funktioniert, ist unklar.

Der Mobilfunkstandard LTE wird international auf unterschiedlichen Frequenzen betrieben. Dabei werden in Europa die Bereiche um 800 Megahertz MHz, 1 800 MHz und 2 600 MHz genutzt. Der Frequenzbereich um 800 MHz ist besonders interessant, da Funksignale in diesem Spektrum eine größere Reichweite aufweisen.

So versorgt eine LTE-800-Basisstation ein Gebiet von bis zu zehn Kilometern, LTE-1 800 noch rund sechs Kilometer, und LTE-2 600 nur fünf Kilometer. Daher benötigt LTE-800 weniger Basisstationen. LTE ist wesentlich schneller und stabiler als die alten Standards. Der Grund: Hier wird ein neues, besonders fehlerresistentes Verfahren zur Modulation genutzt, also zur Umwandlung von Daten in Funksignale.

Surfen mit bis zu 50 Megabit

Dies reduziert auch die Latenzzeit, also die Verzögerung zwischen der Datenanfrage und der Antwort. Eine niedrige Latenz ist für Online-Spiele oder Videokonferenzen von Vorteil. LTE erlaubt einen Datendownload von bis zu 100 Mbit/s (Megabit pro Sekunde); zukünftige Endgeräte sollen gar Datenraten von bis zu 300 Mbit/s unterstützen. Zum Vergleich: UMTS hat maximal 28 Mbit/s ermöglicht.

Wer daheim DSL nutzt, surft mit bis zu 50 Megabit pro Sekunde. Das mobile LTE ist also gar schneller als das kabelgebundene Internet. Während es zwischen Deutschland und Frankreich offenbar nur wenige Schwierigkeiten gab und mithin LTE beispielsweise im Saarland bereits fast flächendeckend funktioniert, gab es Probleme an der deutsch-luxemburgischen und der deutsch-belgischen Grenze. Vor allem in Belgien wurde der 800-MHz-Bereich teilweise noch andersweitig genutzt.

Nachdem nun aber die Situation weitgehend geklärt ist, kann LTE flächendeckend eingeführt werden, auch über die Grenzen hinweg.

©   (rw/hg) – Wort.lu 18.07.2012